|
Vor nicht alzu langer Zeit veröffentlichte Angel, das ambitionierte Projekt um Helena Iren Michaelsen und die Jungs von Imperia, ihr erstes Album „A Woman’s Diary Chapter I“ und beglückte uns mit einem interessanten und vielseitigen Debüt. Das war angesichts des Stimmvolumens und der langjährigen Erfahrung der Dame und den Qualitäten der beteiligten Musiker aber auch zu erwarten. Da so was aber auch in die Hose gehen kann erfreute man sich an dem Ergebnis und ich freute mich bei der Aussicht der guten Frau ein Paar fragen schicken zu können.
Marco: Zuerst natürlich Glückwünsche zum ersten Album von Angel. Es scheint du hättest seit Jahren auf diesen Augenblick gewartet. Seit wann hast du ernsthaft darüber nachgedacht und warum hast du nicht versucht das Projekt früher zu realisieren?
Helena: Vielen Dank. Naja, die Zeit dafür musste reif sein. Der Gedanke meine eigenen Songs herauszubringen geisterte aber wirklich schon für einen lange Zeit in meinem Kopf.
M: Du warst in den letzten Jahren Mitglied vieler etablierter Bands. Angefangen bei Trail Of Tears, welche du auf ihren ersten zwei Alben mit deinem Gesang gesegnet hast, nach deinem Weggang dann Sahara Dust welche sich in Epica Umbenannten und kommerziell recht erfolgreich wurden. Dennoch hast du dich auch hier zum gehen entschieden um Imperia zu gründen. Offenbar fehlte dir etwas in den vorangegangenen Bands. Was hast du gesucht und hast du es gefunden? Oder gibt dir nur die Kombination von Imperia mit deinem eigenen Projekt Angel was du brauchst?
H: Ich suchte nach der Freiheit all meine Kreativität und die Ideen die in meinem Kopf und meinen Fantasiewelten herumfliegen ausdrücken zu können...und nach der Arbeit mit Leuten denen ich Vertrauen und auf die ich Zählen kann.
M: Irgendwas muss an den Jungs mit denen du Imperia gegründet hast ja dran sein, schließlich ist jeder einzelne von ihnen auch bei Angel mit an Bord. Gab es für sie irgendwelche Probleme durch die Veränderung von der „echten“ Band Imperia hin zu quasi Hintergrundmusikern bei Angel oder missverstehe ich die Natur von Angel als dein persönliches Projekt?
H: Nein, ich habe in dieser Richtung nichts negatives gehört. Wir sind ja auch noch immer Imperia mit den selben Leuten, das hat ja nicht aufgehört. Und wir haben alle Freiheiten, es gibt keinerlei Zwang in irgendeine Richtung. Ich denke das ist auch der Grund warum wir keine Streitereien oder heftige Disussionen haben.
M: Sprechen wir mal über das Album selbst. Etwas, dass dem Hörer sofort auffällt ist die enorme Vielfalt an musikalischen Stilrichtungen. Das geht vom typischen Gothsong wie „Lead Me Through Fire“ über sehr poplastige, wenn auch melancholische Klänge, bei „Glow In The Dark“ bis hin zu sehr exotischen und auch opernhaften Passagen wie in “Flames Of Desire” und stärker noch in „Darkness“ (den ich persönlich sehr mag). Man erfährt also ein breites Spektrum. War das unausweichlich um zu beschreiben was in einer Frau vorgeht oder was waren deine Gründe dafür?
H: Das ist das Tagebuch meines Lebens und ich denke, das was man in der Jugend erlebt bestimmt auch wer man mal sein wird. Nicht jede Frau hat die selben Erfahrungen gemacht wie ich. Und die Songs könnten zum Teil auch genausogut für einen Mann passen, denke ich.
Und Songs wie „Mother“ sind wirklich für jeden in diesem Leben nachvollziehbar und nachzuempfinden.
M: Das Album klingt ja auch unglaublich persönlich. Auf der anderen Seite ist es aber schwer zu glauben, dass eine junge Frau all diese Erfahrungen persönlich durchlebt hat. Wie autobiographisch ist „A Womans Diary...“ oder beinhaltet es auch die Erfahrungen von Frauen im Allgemeinen oder Freundinnen von dir?
H: “Darkness”: Gewalt, Mißbrauch, “Glow In The Dark”: Sich verlieben, “Mother”: Meine Mutter wurde ermordet, “Lead You Through Fire“: Es findet sich immer eine Beziehung in der der Mann physische wie psychische Gewalt anwendet oder angewendet hat „Flames Of Desire: Sex-Fantasie, „Little Girl“: Hat zwei Bedeutungen, zum einen geht es um Selbstmord, zum anderen darum, dass ich Angst davor habe, das Kind in mir zu verlieren, meine Seele. Ich denke du siehst nun, dass es sehr persönlich ist (Allerdings Anm. d. Verf.)
M: Was bedeutete diese intensive persönliche Ebene für den Songwritingprozess? Wie lange dauerte es überhaupt und haben die anderen Bandmitglieder dazu beigetragen?
H: Es hat eigentlich gar nicht lange gedauert, ich hatte die Grundideen schnell zusammen und habe auch schnell darauf aufgebaut. Einige Songs nahm ich im Vorfeld schon mal als Demoversionen auf Cd auf, andere wurden einfach im Studio eingespielt.
M: Ich hatte den Eindruck, die Grundstimmung des Albums ist eher traurig. Stimmt das so und falls ja, warum ist dem so? Ist das Leben von Frauen generell so traurig oder gab es noch einige andere persönliche und scheinbar eher unangenehme Erfahrungen die dazu führten?
H: Es ist mehr ein Streben nach mir selbst. Ich versuche noch immer meinen Platz in der Welt zu finden und hoffe die Liebe meines Lebens zu finden, denn daran glaube ich immer noch. Ich war schon immer jemand der gerne Lacht und lebt (Feiern!) Ich hatte ein hartes Leben aber das hat mich nur stärker gemacht und ich habe viel über das Leben und Gefühle, auch für andere Leute, gelernt. Ich hasse niemanden und ich versuche das Leben zu genießen. Tatsächlich beruhen aber manche der Songs auf eher unangenehmen Erfahrungen.
M: Mit Angel hast du ja einen Vertrag bei Black Lotus Records abgeschlossen, mit denen du deine ersten Erfahrungen gemacht hast als du deine Version von Dad can Dances „The Lotus Eaters“ für ihr Tribute-Album aufgenommen hast. Was waren deine Gründe dort zu unterschreiben und nicht bei Ebony Tears wo auch Imperia unter Vertrag ist oder bei einem anderen sicher verfügbaren Label?
H: Ich denke, diese Frage werde ich nicht zu detailliert beantworten aber Black Lotus machen einfach den viel besseren Job und das tun sie aufgrund ihrer Leidenschaft für die Musik und für die Musiker und nicht nur für das Geld.
M: Lass uns kurz das Thema Wechseln. Es wirkt so, als würde dein Aussehen eine ganze menge Leute ziemlich faszinieren. Sogar die Leute bei uns im Magazin konnten kaum glauben, dass ich die Rezension zu deinem Album aus musikalischem Interesse und nicht wegen des Cover-Artworks machen wollte. Sogar meine weiblichen Kolleginnen fragten: „Angel? Ist das nicht die neue Band von der heißen Helena Iren Michaelsen?“ Was denkst du wie wichtig dein Aussehen ist? Und gefällt es dir oder nervt es eher, dass so viele Leute bei dir nicht nur an die wunderschöne Stimme, sondern auch zum großen Teil an deine physische Schönheit denken, wenn dein Name fällt?
H: Darüber denke ich nicht nach, ich halte mich nicht für hübscher als irgendjemand anderen. Ich bin nur eine normale Frau mit einer Leidenschaft zum Singen und Songschreiben. Meine Lieblingsbeschäftigung ist es mit meiner Musik aufzutreten. Ich denke jeder ist in seiner ganz eigenen Weise schön aber das wichtigste ist ohnehin das Herz eines Menschen und wie er sich gegenüber seinen Mitmenschen benimmt.
M: Ich habe vor kurzem ein, sagen wir mal, offenherziges Cover einer Ausgabe des spanischen Metalmagazins „A Sangre Y Fuego“ gefunden. Bist du so selbstbewusst was deinen Körper angeht oder warum hast du diese Aufnahmen gemacht? Ist es doch wieder die alte Sex-Sells-Geschichte oder hast du einfach keine Probleme mit deiner Sexualität und Sinnlichkeit? Der Gedanke kommt einem durchaus wenn man mal an „Flames Of Desire“ auf deiner CD denkt (für alle Nichtinformierten, dabei geht es um Sex in einer Kirche Anm. d. Verf.).
H: Ich schäme mich nur einfach nicht für das was ich bin. Ich würde nicht meine Brüste und Muschi nackt in einem Männermagazin mit einem Artikel über die Musik zeigen aber das angesprochene Bild fand ich sehr unschuldig.
M: Was würdest du also tun, wenn der Playboy bei dir wegen eines Foto-Shootings anrufen würde? Wir erinnern uns schließlich alle mehr oder weniger panisch daran, dass Pete Steele es für Playgirl getan hat.
H: Hihi, wie ich schon gesagt habe, ich zeige meine Muschi nicht aber wenn sie gerne Fotos in Unterwäsche machen würden, wäre ich dabei.
M: Wir sollten zu weniger verfänglichen Themen zurückkommen. Wie sieht es mit einer Tour für Angel aus? Irgendwelche Pläne für Auftritte in Deutschland in der unmittelbaren Zukunft?
H: Ja, es sieht so aus als hätten wir ein paar Shows in Deutschland. Im Augenblick kann ich nur leider noch keine genauen Daten nennen.
M: Könnest du dir vorstellen eine gemeinsame Imperia / Angel-Tour zu machen obwohl das für deine Stimme sicherlich zu anstrengend wäre? Aber welche Band wäre gegebenenfalls Headliner und warum?
H: Angel wäre Headliner. Ich würde es lieben, das zu tun. Coole Idee:-)
M: Erinnerst du dich vielleicht an irgendein besonders lustiges Ereignis während du auf Tour warst und von dem du uns berichten könntest?
H: Oh man. So ziemlich jeder Tag war lustig und interessant auf den Touren die ich hatte. Aber ich hatte wirklich Spaß am feiern mit der schwedischen Band Siebenbürgen, hehehe. Das waren diejenigen, die mich mit Whiskey vertraut gemacht haben: Oh Mein Gott!
M: Dann vielen Dank für das Interview und alles gute für dich und all deine zukünftigen Projekte und die letzten Worte an deine Fans und solche die es noch werden wollen gehören dir:
H: Vielen Dank für euren Support und ich hoffe, dass eure Leser das Interview genießen werden und dass ich einige davon auf Tour sehen werde.
Cheers.
Mr.Vandemar
|
|